Vorbereitungsworkshop Silicon Valley 2019

Vorbereitungsworkshop Silicon Valley 2019

Bereits seit sechs Jahren organisieren die Verantwortlichen des MBA Studiengangs Entrepreneurship and Innovation Management an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften eine jährlich stattfindende Exkursion ins Silicon Valley, dem Sitz zahlreicher der wertvollsten Unternehmen der Welt. Auch in diesem Jahr fliegen 15 MBA Studierende für eine Woche nach Kalifornien, um hautnah vor Ort Eindrücke vom Daily Business ausgewählter Startups, Unternehmen und Institutionen sammeln zu können.

Am Freitag, den 08.03.2019, fand das erste Zusammentreffen der Exkursionsgruppe im Rahmen des Vorbereitungsworkshops statt. Von 14 bis 21 Uhr lauschten die Studierenden ausgesuchten Speakern, die umfangreiche Erfahrungen im Silicon Valley vorweisen können.

Den Startschuss zum Vorbereitungsworkshop gab Studiengangsleiter Professor Dr. Reza Asghari, der einen 20-minütigen Vortrag hielt. Professor Asghari fokussierte sich trotz aller Bewunderung für den Erfolg des Silicon Valley auf den Wirtschaftsstandort Deutschland. Er erklärte, er „hofft, kämpft, dass immer mehr innovative Startups in Deutschland emergieren“ und verglich Gründungsquoten einiger deutschen Universitäten und Hochschulen mit jenen der Stanford University oder der University of California in Berkeley. Es wurde deutlich, dass hierzulande noch großer Nachholbedarf besteht. Jedoch betonte Professor Asghari auch, dass die vergleichsweise geringe Gründungsquote in Deutschland nicht mit den Fähigkeiten und Kompetenzen der Studierenden korreliert sondern vielmehr die kalifornischen Universitäten von einem besonders potenten und über Jahrzehnte gewachsenen Ökosystem profitieren. Insgesamt seien deutsche Studierende den Stanford-Studierenden mindestens ebenbürtig. Nun gelte es, dieses große Potenzial von der theoretischen Forschung in die Praxis zu transferieren und der Verlangsamung der führenden Volkswirtschaft in Europa Einhalt zu bieten. Zu schaffen sei dies gemäß Professor Asghari durch die Etablierung einer Gründungskultur, wozu Förderprogramme wie die EXIST Gründerstipendien, einen positiven Beitrag leisten können. Ziel sei es, junge Gründer und Startups dahingehend zu unterstützen, dass sie nachhaltig erfolgreich wirtschaften und zusätzliche Arbeitsplätze in Deutschland schaffen können. Dabei sollte jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass aufgrund der Digitalisierung und Globalisierung die deutschen Startups sich nicht nur im nationalen sondern vielmehr dem internationalen Wettbewerb stellen müssen. Letzten Endes gelte der Satz von Darwin: Nur die anpassungsfähigsten werden überleben.

Bevor er sich verabschiedete, um seinen nächsten Termin wahrzunehmen, akzentuierte Professor Asghari noch die Bedeutung der Exkursion ins Silicon Valley.

Im Anschluss an Professor Asghari berichtete Marc Junker in 90 Minuten von seinen persönlichen Erfahrungen im Silicon Valley. Marc gab zunächst einen kurzen Überblick über seinen eigenen Werdegang vom Studium der Mathematik und Informatik in Hannover über die intermediäre Station Hamburg bis zu seiner Tätigkeit als Investor im Silicon Valley. Er berichtete, seine „Einstiegsdroge“ in den Bereich Unternehmensgründung sei bereits während des Studiums gewesen, als er gemeinsam einem Freund Fahrradteile entwarf und diese auf eigens angeschafften Werkzeugmaschinen produzierte. Dass er visionär denkt und agiert, bewies Marc ebenfalls zu Studienzeiten indem er seine Diplomarbeit über „Effizienzstrategien für Metasuchmaschinen“ in einer Zeit schrieb, in der der heutige Weltmarktführer Google gerade erst gegründet wurde.

Der Fokus in Marcs Ausführungen lag jedoch themenbezogen in der Darstellung seiner eigenen Erfahrungen im Silicon Valley und damit verbunden einem Vergleich zu den Verhältnissen respektive dem Ökosystem in Deutschland. Marc berichtete von seiner ersten Silicon Valley Erfahrung im Jahr 2007, als er mit seiner Frau gemeinsam in ein Startup mit Sitz in San Mateo investierte. Sein Hauptinvolvement im Valley fand jedoch in den Jahren 2008 bis 2014 statt. In diesen 6 Jahren pendelte er stetig zwischen seiner Familie in Hamburg und dem Valley, verbrachte jedoch einen Großteil seiner Zeit in Kalifornien. Marc berichtete, dies sei insbesondere notwendig geworden, da eines der Startups, in welches er investierte, großen Bedarf an tatkräftiger Unterstützung aufwies. Durch die Übernahme der Position des CIO´s & CTO´s und den Aufbau eines kompetenten Teams vermochte es Marc jedoch schließlich, sich selbst bzw. sein operatives Involvement „abzuschaffen“, sodass er seit fast 5 Jahren wieder fest in Deutschland gemeinsam mit seiner Familie lebt und hier tätig ist.

Anhand seiner Erfahrungen in beiden Ländern gelang es Marc, faktenbasierte Vergleiche ziehen zu können. Seine Ausführungen zeigten die doch großen Unterschiede zwischen dem Silicon Valley und der deutschen Gründungslandschaft auf. Während in Deutschland Frühphaseninvestitionen selten sind, wird in den USA gerade in diesen frühen Stadien häufig investiert. Die sogenannte „Culture of Failure“, wie sie in den USA präsent und etabliert ist, ist in Deutschland nicht existent da Gründer wenn sie in ihren Vorhaben scheitern oftmals von ihrer Umgebung verurteilt werden. An dieser Stelle verwies Marc auch auf eigene Erfahrungen in der Vergangenheit. Er berichtete, nachdem eines seiner europäischen Investments gescheitert war, haben die Menschen aus seinem Wohnort gar angefragt, ob demnächst sein Haus zu verkaufen sei, da sie einen großen Beitrag in der lokalen Zeitung von Marcs Auftritt im Rahmen einer sogenannten „Fuck Up Night“ in Hannover lesen durften. Im Kontext des Scheiterns schlug Marc eine Brücke zu Dr. Mario Hergers Ausführung in „Silicon Valley Mindset“, wo dieser das in Europa und insbesondere Deutschland ausgesprochen sichere Netz in Form eines starken Sozialsystems beschreibt, das Gründer hierzulande auch im Falle des Scheiterns auffängt. Ein solches Sozialsystem ist in den Vereinigten Staaten nahezu nicht existent, was jedoch Gründer nicht davon abhält, am amerikanischen Grundverständnis „Think Big“ festzuhalten.

Im Rahmen der Culture of Failure sowie des Think Big war ein umfassendes Aufgreifen des Thema „Mindset“ naheliegend. Durch Marcs, sowie auch später in Dr. Andreas Bergers Ausführungen avancierte dieser Term gar zum zentralen Fokus des Tages. Marc präsentierte den Teilnehmern des Workshops seine Auffassung, dass das Mindset in Europa sich ändern müsse, damit auch hierzulande in größerer Zahl innovative, schnelle und anpassungsfähige Startups, welche als Disruptoren ganzer Branchen und Bereiche agieren könnten, emergieren können. Gleichzeitig gab Marc jedoch an, dass dies nicht innerhalb einer Generation geschehen könne, sondern diesbezüglich eine generationenübergreifende Transformation vonnöten sei.

Als weiteres Beispiel für eine deutliche Dissonanz des Mindsets in den USA und Europa führte Marc das Thema der Non-Disclosure Agreements aus. Während hierzulande Gründer von Investoren häufig solche NDAs verlangen, sprechen amerikanische Startups sowie auch etablierte Unternehmen mit nahezu jedem sehr offen über ihre Geschäftsideen und Produkte. Dies geschehe vor dem Hintergrund, dass sich im Silicon Valley die Überzeugung etabliert habe, es könne aus jedem Gespräch Nutzen generiert werden. Dies kann sowohl in Form von konkretem Feedback, Kollaborationen oder Mentoring geschehen. All dies hat zum Ziel, dass Gründer und Startups dazu lernen und sich auf diese Art und Weise stetig verbessern können. Interessierte Zuhörer erkannten in Marcs Erzählung Parallelen zum internationalen Bestseller „Mindset“ der Stanford Professorin in Psychologie Carol Dweck, deren dynamisches Selbstbild sich durch ebenjene Denk- und Verhaltensweisen definiert wird.

Doch auch in der Aufbauorganisation der jungen Unternehmen sieht Marc signifikante Unterschiede zwischen dem Silicon Valley und Deutschland. Während es im Vallley Usus ist, von Beginn an ein Advisory Board zu etablieren, welches als hilfreicher Ratgeber, Türöffner und „Time Saver“ agiert, ist dies in Deutschland nur sehr selten zu beobachten. Ebenfalls als abnehmend schätzt Marc Junker den traditionellen und langfristigen Business Plan ein, der in den Vereinigten Staaten im Umgang mit Investoren eine immer geringere Bedeutung hat – fast obsolet wird. Für Marc in seiner Rolle als Investor dient der Business Plan eines Startups als Visitenkarte, da er aufzeigt, inwieweit sich die Gründer mit ihrem Geschäftsmodell beschäftigt haben. Im Silicon Valley hingegen wird ein erheblich größerer Schwerpunkt auf einen exzellenten Pitch gelegt. An diesem Punkt seiner Erzählung verdeutlichte Marc den Studierenden nochmals eingehend die Bedeutung des Pitches auch in Deutschland. Er klärt die Workshopteilnehmer über die differenzierten Anforderungen der unterschiedlichen Stakeholder wie Banken, Business Angels, Förderprogrammen und Venture Kapitalisten auf und rät dringend dazu, hierfür maßgeschneiderte Pitches vorzubereiten. Er empfiehlt gar, für jeden einzelnen Investor die jeweils passende Präsentation anzufertigen.

Als Schlussworte seiner rund 90-minütigen Ausführung gab Marc den Studierenden noch prägnant zusammengefasst einige Tipps mit auf den Weg:

  • Talk about your (business) idea
  • Be prepared. Things happen.
  • Hang around with seniors
  • Talk to your customers and listen
  • Stay focused
  • cherry pick!
  • … and think f***ing big!!!

Nach so viel Input war es an der Zeit für eine kurze Pause, bevor der Main Speaker Dr. Andreas Berger, promovierter Jurist und MBA Alumni, zu Wort kam. Dieser konnte den Workshopteilnehmern eine völlig andere Perspektive des Silicon Valleys vermitteln als Marc Junker, da er gemeinsam mit seiner Familie auswanderte und vollständig dort lebte und arbeitete. Zudem war er erst vor wenigen Wochen zurück nach Deutschland gekommen, sodass seine Erzählungen topaktuell waren. Andreas war im Silicon Valley zunächst beim Konzern RWE tätig und betreute dort verschiedene Projekte und agierte in diversen Bereichen wie Beteiligungsmanagement oder Crowdfunding. Doch bevor er von eigener Erfahrung berichtete, war es Andreas zunächst ein Anliegen, mehr über die Studierenden sowie ihre Hintergründe zu erfahren. Er stellte den Workshopteilnehmern folgende Fragen:

  • Was machst Du heute?
  • Warum absolvierst Du den MBA?
  • Was sind Deine Erwartungen ans Silicon Valley?

Auf Basis der Antworten aller Teilnehmer vermochte es Andreas besonders gut auf die Hintergründe sowie Bedürfnisse der Gruppe einzugehen und seine Ausführungen darauf auszurichten.

Als Fundament seines Vortrags sprach Andreas insbesondere darüber, wie essentiell es sei, das Valley zu verstehen. Er verdeutlichte die vorherrschende Aufbruchsstimmung und erläuterte auf Basis der kalifornischen respektive US-amerikanischen Geschichte die besondere Mentalität, welche das dominante Mindset über Jahre hinweg wachsen ließ. Ein interessanter Punkt, den er vorbrachte, war auch die Bedeutung des Wetters und dessen Einfluss auf Stimmungslage und Motivation. Ein Punkt, der an Tagen stürmischen Windes und peitschenden Regens wie sie derzeit vorherrschen wohl Jeder so unterschreiben würde.

Ähnlich wie zuvor schon Professor Asghari zog auch Andreas einen Vergleich der Universitäten in Deutschland und den USA. Er selbst war 2016 bis 2017 als Visiting Scholar an der Stanford University und konnte daher aus erster Hand Erfahrungen an dieser renommierten Universität sammeln. Andreas beschrieb Stanford als sehr fruchtbaren Boden, der jährlich Studierende aus aller Welt anzieht. Im Gegensatz dazu seien deutsche Universitäten deutlich homogener.

Wie auch schon Marc verdeutlichte, betonte auch Andreas einen signifikanten Unterschied zwischen den vorherrschenden Mindsets in Deutschland und den USA respektive dem Silicon Valley. Seine Beispiele gingen über die bereits gehörten der höheren Risikobereitschaft sowie das Scheitern hinaus (obschon er diesbezüglich einen YouTube Clip einer Rede im nordrheinwestfälischen Landtag des FDP Vorsitzenden Christian Lindner respektive dessen Reaktion auf einen Zwischenruf aus einer anderen Fraktion zum Thema Scheitern mit den Teilnehmern teilte, was zu allgemeiner Erheiterung führte) und waren von seinen Erfahrungen in einem großen Konzern geprägt. Er berichtete von einer verschiedenen Kultur des Beförderns. Während amerikanische Mitarbeiter im Konzern ihre Fähigkeiten beweisen und dementsprechend befördert werden, dominiert in Europa die Beförderung aufgrund von Seniorität. Aufgrund dieser differenzierten Handlungsweise sind in den Vereinigten Staaten auch bei großen Unternehmen und Konzernen junge Menschen Anfang 30 in der Top Management Ebene aufzufinden.

Andreas Erzählungen waren jedoch nicht ausschließlich von Euphorie geprägt. Aufgrund seiner jahrelangen Erfahrungen des Lebens dort hatte er auch die Gelegenheit, einige Schattenseiten des Silicon Valley kennenzulernen. So berichtet er beispielsweise, das Valley sei voll von Menschen, die behaupten, Impact haben zu wollen, was jedoch nicht immer der Wahrheit entspricht. Generell sei Träumerei und Wirklichkeit dort bisweilen nur schwer zu unterscheiden. Der massive Kapitalzufluss, der in Richtung Valley fließt (z.B. durch Facebook oder Google Ads, Apple Käufe) ermöglicht dort Investments, die andernorts nicht so einfach möglich wären. Generell herrsche dort ein ganz anderes Verständnis zum Thema Geld und Vermögenswerte als in Deutschland. Die Geschwindigkeit und Schnelllebigkeit des Silicon Valley seien unvergleichlich.

Doch trotz, oder möglicherweise gerade aufgrund seiner Erfahrungen im Silicon Valley sieht Andreas für Europa großes Potenzial und führt auf, dass Innovation in Deutschland durchaus existiert, wir jedoch an einem Scheideweg stehen, der insbesondere große Konzerne, welche weniger agil agieren können, verunsichert.

Neben einigen LifeHacks und einem motivierenden „Macht Euch die Arbeit. Das macht Euch mächtig!“ gab Andreas den Exkursionsteilnehmern auch einige Punkte mit auf den Weg, welche sie während ihrer Zeit im Silicon Valley umsetzen sollten. Beispielsweise riet er dazu, die Menschen zu fragen „Why are you here?“. Nicht ausschließlich als Vorbereitung für die Exkursion sondern vielmehr als Hilfsmittel zur persönlichen Weiterentwicklung gab Andreas im Laufe der für ihn geplanten 4 Stunden des Workshops auch einige Buchtipps zum Besten (hierüber werden an anderer Stelle noch genauer berichten).

Bei so vielen und auch vielschichtigen Erfahrungen, die unseren beiden Speaker Marc und Andreas mit uns im Rahmen des siebenstündigen Workshops teilten, verging die Zeit wie im Fluge, sodass es gefühlt viel zu schnell 21 Uhr wurde und der Workshop beendet war. So viel Input und Informationen die Exkursionsteilnehmer auch erhielten, umso mehr gespannt sind nun alle und können es gar nicht erwarten, selbst ihre ersten Erfahrungen im Silicon Valley zu sammeln. Demnach war unser Vorbereitungsworkshop ein voller Erfolg!

Vielen Dank an dieser Stelle auch nochmals an Marc Junker und Dr. Andreas Berger, die sich so viel Zeit für unseren Workshop genommen haben, von ihren persönlichen Erfahrungen berichtet und sich mutig allen Fragen der Studierenden gestellt haben!

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